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Artikel aus der Working@office Ausgabe Juli 2003: Neue Lebensqualität dank einem Personal Trainer

vom Fitnessexperten Uwe Meyer
Es war kurz vor halbacht Uhr morgens. Draußen schüttete es aus dunklem Himmel. Ein ekliger Wind blies. Als es plötzlich an meiner Wohnungstür klingelte. Ich schlurfte im Jogginganzug zum Öffnen. Vor der Tür ein blondes, dreißigjähriges Energiebündel: „Auf geht’s“, strahlte dieser unverschämt gut aussehende Kerl. „Raus mit Ihnen! Wir laufen eine Runde!“ Fassungslos sah ich ihn an: „Es regnet.“ „Na und? Das hört schon bald auf!“ Das Grinsen war nicht abzustellen. „Ich dachte, wir turnen hier drinnen ein bisschen? Sie glauben doch nicht, dass ich da jetzt mit Ihnen raus zum Walken gehe? Bei diesem Scheißwetter?“ Ich war dem Weinen nahe. „Aber klar doch. Regenjacke an und los!“

So begann der erster Auslauf mit meinem neuen „Personal Trainer“. Uwe heißt der Charmebolzen, nach außen Sunnyboy, aber innen ganz hart. Gnadenlos, unbestechlich, zauberhaft! Nach einem Seminar hatte er mich angesprochen. „Ich habe heute so viel von Ihnen gelernt. Im Gegenzug würde ich gerne mit Ihnen an Ihrer Gesundheit arbeiten“. Mit Uwe begann für mich ein neues Zeitalter, die Eroberung meiner Stadtteil-Umgebung, ein neues Lebensgefühl.
Der Trainer, und hervorragende Physiotherapeut, hat etwas wieder erweckt, was bei mir seit einiger Zeit im Koma lag: Die Lust an Bewegung. Und das mir, der seit vielen Jahren feste Glaubenssatz ins Hirn gemeißelt war: „Wenn ich joggen muss, werde ich nach 100 Metern tot umfallen!“ Wirklich, davon war ich fest überzeugt.

Und nun gehöre ich zur Meute der morgendlichen Parkdurchquerer, immer an der Isar entlang, 20 Minuten flussabwärts, 20 Minuten zurück. Zwar nicht joggend, der Gelenke zuliebe, aber walkend - Sie wissen schon - früher nannte man das schnell spazieren gehen. Die Hanteln in meinen Fäusten rhythmisch schwingend. Schwitzend, bergauf dampfend. Dazwischen Fuß auf die Bank, schön die Muskeln stretchen. Und das verrückteste daran: Es macht mir Spaß! Man könnte fast sagen: ich bin süchtig danach.

Nie werde ich den Sonntag vergessen, als ich morgens um acht das tiefe Bedürfnis spürte, meine Laufschuhe anzuziehen und eine Runde zu drehen – das erste Mal ganz alleine! Ohne das jemand sagt: „Komm, auf geht’s.“ Wie beschwipst lief ich durch den Frühling, die Vögel sangen wie blöd. Der pure Rausch.
Neulich rief eine Freundin an und fragte mich als „Expertin“, warum alle Walker so komisch ihre Hände nach vorne schmeißen würden. „Fettverbrennung“, konnte ich sie aufklären, „30 Prozent mehr Fettverbrennung“. Noch besser mit zwei 800-Gramm-Hanteln in der Hand. Sie könne auch zwei Bierflaschen nehmen mangels Hanteln, sagte ich ihr. Fand sie gar nicht komisch.

Seit Uwe in mein Sportler-Leben getreten ist, laufe ich die zwei Stockwerke zu meiner Wohnung hoch, meistens jedenfalls, verraten Sie mich nicht! Und jede Woche werde ich leichtfüßiger, ächze längst nicht mehr wie früher. Merke die steigende Fitness auch auf meinen vielen Reisen: Umsteigen, mit den schweren Koffern, Bahnhofstreppen runter, Bahnhofstreppen hoch, die Kofferbänder sind meistens „zurzeit leider defekt“. Früher hat mich das die halbe Lunge gekostet. Heute ist es Teil meines Sportprogramms für unterwegs.

Natürlich gibt es auch Rückschläge, Tage an denen ich einfach keine Lust habe, mich ins Sportzeug zu werfen und loszudüsen. Wochen, in denen mich mein Theraband einfach nicht locken will und in denen ich ganz ohne schlechtes Gewissen das Sofa dem Hometrainer vorziehe. Aber dann kommt wieder Uwe und baut mich auf. Schon nach wenigen Schritten weiß ich, was ich versäumt habe.
Uwe gelang es ganz nebenbei, meinen Trotz bezüglich meines Gewichts zu besänftigen. Das hatte bisher niemand geschafft, und schließlich werde ich 50! „Aber es geht mir wirklich nicht ums Abnehmen!“ hatte ich anfangs noch lauthals getönt. „Ich will nur fitter werden“. Er nahm es kommentarlos zur Kenntnis und stellte mir ein Programm zusammen. Schon nach drei Monaten schrieb ich ihm in den Urlaub nach Neuseeland: „Wenn du wiederkommst, gehen wir das Schwabbeln an. Ich habe es dick.“

Dem neuen Körperbewusstsein folgte ein neues Ernähungsbewusstsein. Ich verschlang Bücher über basische Ernährung und knabberte dazu an Kohlrabi und Selleriestangen. Statt Schweinebraten orderte ich Pilzpfannen und Gemüseberge. Und die Pfunde purzelten. Okay, mit meinem jetzigen Gewicht würde sich immer noch jedes Model die Kugel geben. Aber ich weiß, ich bin auf dem richtigen Weg.
Ich bleibe meinem Versprechen treu, nie wieder in meinem Leben eine Diät zu machen, mich zu kasteien, zu quälen und zu bestrafen. Ich finde das westliche Super-Frauenbild mit hervortretenden Knochen, das Untergewicht voraussetzt, immer noch ätzend - Und keine Bange, so weit wird es nicht kommen - aber es geht mir jetzt um etwas anderes: es geht um Lebensqualität!

Nur weil ich mich den Schlankheitsnormen nicht beuge, muss ich ja nicht früher ins Gras beißen, wäre doch blöd. Es geht um Gesundheit - Jaja, da denken wir richtigen Fuffzger schon drüber nach-. Sie müssen zugeben, die Aussicht auf künstliche Fußgelenke ist nicht sehr erheiternd. Und das der Herztod winkt, wenn die Waage ausschlägt, machen wir uns nichts vor!
Neulich bekam ich ein Foto von einem Fest geschickt, auf dem ich im letzten Sommer kräftig abgetanzt hatte. Jedem Herzspezialisten hätte meine Gesichtsfarbe Schauer über den Rücken gejagt und mein Lachen wurde durch das Dreifachkinn auch nicht umwerfender.
Ich finde ausserdem, ich habe genug bewiesen, dass auch dicke Frauen erfolgreich sein können. Ich habe meine Ziele auch ohne Twiggymaße erreicht, und das macht mich durchaus stolz. Ich lasse mir gerne von Seminarteilnehmerinnen oder Zuhörerinnen erzählen, wie ermutigend sie es finden, dass da auf der Bühne eine so „normale“ Frau steht, wie sie freundlicherweise sagen, und trotzdem so fröhlich ist. Ich bin sicher: Mein Selbstbewusstsein ist heute unabhängig vom Gewicht, doch zwei Kleidergrößen weniger sind auch nicht zu verachten.

Übrigens: Ich liebe es inzwischen, durch den Regen zu laufen. Und wenn es dann aufklart, die letzten Tropfen von den Blättern perlen, die Sonne durch die Wolken bricht, das Gras ganz intensiv duftet und die Vögel zwitschern, dann könnte ich laut jubeln.

Text: Sabine Asgodom, über den Personal Trainer Uwe Meyer
Bilder: Image Bank
Uwe Meyer
Garmisch-Partenkirchen

staatl. geprüfter Sportlehrer
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