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Interview in der Printausgabe Capital 26 / 2002: Fitnessstudio Betrieb

von Personal Trainer Frank Lemmermann, Hamburg
Interview in der Printausgabe Capital 26 / 2002
Fitnessstudio Betrieb
Vorbeugung. In einem gesunden Körper ein gesunder Geist: Nach dieser Erkenntnis des römischen Dichters Juvenal versuchen selbst kleine Unternehmen, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern und Ausfallkosten zu senken.

von Magnus Heier, heier.magnus@capital.de

Von einem persönlichen Trainer lassen sich BP-Manager diskret überflüssige Pfunde ab- und Fitness antrainieren -meist auf Kosten ihrer Firma. Die Basis dagegen bringt sich nach der Arbeitszeit und aus dem eigenen Portmonee finanziert in einem Fitnessstudio in Form.

Diese Rollenverteilung gehört in modernen Firmen oft der Vergangenheit an. Viele bieten den Mitarbeitern ein kostenloses Trimm-Dich während oder zumindest nach der Arbeitszeit."Am Anfang taten wir uns ziemlich schwer, das Firmen-Fitnesstraining regelmäßig einzuplanen. Jetzt möchten wir es auf keinen Fall mehr missen", outet sich ein Bau- und Immobilienunternehmer aus Dresden auf www.ap-fitness.com der Homepage von Ralf M. Lützner. Der Personal Trainer präsentiert sich auch im Internetportal www.personalfitness.de. Er gehört zu jenen Spezialisten. die auch in Betriebe gehen, um Mitarbeiter körperlich zu ertüchtigen.

Kosten. Die Bereitschaft der Chefs, Fitnessprogramme on the Job aus der Firmenkasse zu sponsern fördern auch die Krankenkassen. Sie zahlen beispielsweise bei Rückengymnastik pro Mitarbeiter einen Zuschuss zwischen 50 und 70 Euro monatlich. Damit sind bis zu 8o Prozent des Honorars für den Trainer abgedeckt. "Die Differenz übernimmt in der Regel der Arbeitgeber, beobachtet Trainer Lützner aus der sächsischen Metropole. Ähnliche Erfahrungen machen auch Trainerkollegen aus Süd- und Norddeutschland.

Der Hamburger Frank Lemmermann, der unter anderen Mitarbeiter des NDR in Form bringt, hat festgestellt, dass in den vergangenen Monaten Arbeitgeber stärker auf die Kosten achten.
Lemmermann tritt seinen Fitnesswilligen nicht etwa als Physiotherapeut gegenüber: "Ohne Spaß bleiben die besten Übungen ohne Wirkung." Als Animateur im Freizeitclub versteht er sich deshalb noch lange nicht. Der ehemalige Aerobictrainer meint, zum sporttreibenden Fitnessbereich gehören funktionelle, schnell umsetzbare Tipps. die das Bewusstsein dauerhaft verändern". Das ist auch sein Argument für die Sponsoren aus Betrieben: "Gesunde Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, leisten mehr und haben weniger Fehlzeiten."

Lemmermann startet seine Kurse mit einer theoretischen Einführung. "Damit erkenne ich das Engagement der Mitarbeiter." Auch bei Lützner beginnt Fitness mit der mentalen Wende. In seinem von allen Teilnehmern zu absolvierenden Grundseminar referiert er über Gewichtsreduktion, Haltungsschäden, Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder". Dann erst beginnt er das Training der Problemzonen. Dabei werden zum Beispiel durch sitzende Tätigkeit geschwächte Muskelpartien gekräftigt, fehlerhafte Haltung und Bewegung korrigiert und die Beweglichkeit der träge gewordene Muskelgruppen verbessert.

Hausaufgaben. Engagierten Betriebssportlern bietet die Personaltrainer zusätzlich individuelle Ergänzungen "an der langen Leine" wie Lemmermann ergänzt, etwa ein wöchentliches Jogging oder Walking und Gymnastik. Mit Auffrischungstraining im Abstand von drei bis vier Wochen begnügt sich Lemmermann, wenn er Stärken und Schwächen seines Klienten kennt. In der Zwischenzeit hat der aber seine "Hausaufgaben" zu machen. Trainer merken, ob ihr Trainee gefaulenzt hat.

Vorbildlicher Chef.

Der Vorstandsvorsitzender von Thomas Cook, Stefan Pichler, tankt Energie beim Sport. Während Politiker und Theoretiker diskutieren, gehen die Praktiker längst einen Schritt weiter. Sie optimieren die Anstrengungen in punkto Fitness und beginnen, Produktionsabläufe zu optimieren. Angeregt durch gesundheitsbewusste Mitarbeiter installierte der Speiseeisproduzent Schöller in seinem Betrieb im niedersächsischen Uelzen eine Klimaanlage. Sie half, neben den schon länger angebotenen betrieblichen sportprogrammen, den Krankenstand zu senken. Jörg Krüger, Personalchef in Uelzen: "Die Konsequenz sind deutlich geringere Fehlzeiten."


Maggi in Lüdinghausen bestätigt die kostensenkende Wirkung von Sport und Gesundheit bei seinen 430 Mitarbeitern. Das Unternehmen investiert zu diesem Zweck jährlich etwa 30 000 Euro. Mit messbaren Ergebnissen. In einer Abteilung hat sich der Krankenstand "nach sechsmonatigem Einsatz von 8,5 auf 4,5 Prozent reduziert", freut sich Personalleiter Josef Knöchel.

Vorbeugung

Und damit das Engagement der Arbeitgeber nicht nachlässt wird es in Niedersachsen durch die Allgemeine Ortskrankenkasse(AOK) unterstützt. Sie erlässt zum Beispiel Schöller und Maggi für deren AOK-Mitglieder je einen Monatsbeitrag pro Jahr. Dafür müssen die Unternehmen allerdings auch ihre Mitarbeiter an der Suche nach Ursachen für Krankheit und Unwohlsein am Arbeitsplatz beteiligen.

Wenig auskunftsfreudig sind die Konzerne, wenn es um die Gesundheit ihrer Manager geht. Ausgebrannten Chefs gönnen sie schon mal ein paar Tage Auszeit für ein individuelles Fitnessprogramm. Oft als Zugabe zum regelmäßigen Gesundheits-Check. Dabei werden Führungskräfte einmal jährlich, spätestens jedes zweite Jahr auf Herz und Hirn getestet. Bei Nestle Deutschland geschieht das vom Abteilungsleiter an aufwärts, auf freiwilliger Basis, wie der Sprecher des Hauses ausdrücklich betont.

Für die Anbieter der Tests ein einträgliches Geschäft, wie Professor Kristian Reif, Ärztlicher Direktor der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, feststellt. Immerhin knapp 10000 Untersuchungen führt seine Klinik pro Jahr durch , zu Preisen zwischen 850 und 1100 Euro. Überraschungen kann dabei erleben, wer sich zwar regelmäßig untersuchen lässt, aber in der Zwischenzeit seinen Sport vernachlässigt. Diese No-Sports-Typen will Astrid Fröderking aus Bruchsal zur Einsicht bringen. Die gelernte Physiotherapeutin bietet über www.balance-your-life.net zwar auch Firmen Programme für Mitarbeiter an, doch "vorzugsweise arbeite ich individuell", bekennt sie. Ihren Klienten will sie die Notwendigkeit des Ausgleichs zwischen Körper. Seele und Geist nahe bringen. Sie zweifelt nicht an steigender Nachfrage zumindest aus den Top-Etagen: "Chefs möchten lieber diskret schwitzen und außerdem sollen Mitarbeiter nicht miterleben, wie ungeschickt sie sich bei einfachen Übungen anstellen.

Fotos: Gettyone,IFA und Bildfoto/Bert Borstelman


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