Interview in der Printausgabe von Léonce 1/01: Torsten wartet im Park
vom Fitnessexperten Torsten Fleischer
Wenn der innere Schweinhund der einzige Sparringspartner ist, wird es Zeit für den Personal Trainer. Der kommt ins Haus, nimmt einen an die Hand und schon geht's los: Laufen, beugen, strecken. In den USA bewegen sich Manager, Stars und Couch-potatos schon seit Jahren am liebsten mit professioneller Anleitung. Jetzt wollen auch immer mehr Berliner schwitzen wie Madonna.
Morgen für Morgen steht er am Fußende des Bettes, reibt sich die Fäuste und beobachtet mich dabei, wie ich dem schrillenden Wecker eins auf die Mütze gebe und mich wieder in die nachtwarmen Kissen drücke. Auf die andere Seite rolle, um ihn nicht mehr sehen zu müssen, den Schweinehund, der wieder mal über meine Trägheit triumphiert. Doch es klingelt. Ein Mal, zwei Mal, immer wieder.
“In hartnäckigen Fällen klingele ich mehrmals“, sagt Torsten Fleischer. Er ist schon länger wach. Für ihn beginnt an meiner Türschwelle der Arbeitstag. Torsten ertastet meinen Puls, verordnet einen Apfel, ermuntert mit ein wenig Stretching die Gelenke und überprüft mein Schuhwerk. ,,Jetzt geht's los!" sagt er. Es ist 7 Uhr 30. Wir tauchen ein in den dämmrigen Park. Denn Torsten Fleischer ist mein ganz persönlicher Trainer. Ein Examinator, und was meinen inneren Schweinehund betrifft, ist er ein wahrer Teufelsaustreiber.
Frühmorgens im Park sind wir fast allein. Nur ein Schwanenpärchen macht eine kleine Bugwelle auf dem Wasser, und ein Eichhörnchen stiebt ins raschelnde Laub, als es uns kommen sieht. Mit straffem Schritt tauchen wir ein in die duftende Frische. Der nachtfeuchte Boden schmatzt. Langsam fallen wir in leises Traben. Wie auf Kommando verwandelt sich der graue Tagesbeginn in rosaroten Morgendämmer. Der Kopf wird frei, schon an der ersten Biegung. „Wer besser durchblutet ist, kann auch besser nachdenken", findet Torsten und horcht auf meinen Atem: einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund. Den eigenen Rhythmus finden. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Die Säfte fließen. Unter dem Hemd bildet sich ein Rinnsal. ,,Wer Seitenstiche bekommt, muss noch üben." Längst sind wir in lockeres Laufen gefallen, spüren Schenkel und Po und eine ermunternde Energie, die sich als Wärme in den Fingerspitzen und Zehen breit macht.
Torsten trainiert die Besserverdienenden. ,,Die erkennen ab einem gewissen Alter, dass sie was tun müssen: Manager, Ärzte, Schauspieler, Journalisten, Unternehmer." Die meisten sind um die 50, mehr Frauen als Männer. Torsten selbst ist 27, Student der Sportwissenschaften kurz vorm Diplom. Im neuen Jahrtausend hat er sich mit einer Partnerin und einer Wellness Agentur selbstständig gemacht. Sowie er arbeiten rund 250 hauptberufliche Personal Trainer in Deutschland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, dazu ist die Branche noch zu jung. Viele drehen auch zusätzlich zu ihrer Arbeit im Fitness-Zentrum mit Einzelkunden ihre Runden.
Ein Personal Trainer kommt nach Hause, ins Hotel oder ins Büro. Fitnesstraining an Geräten wird im nahen Studio gemacht. Selbst Termin gestresste Leute lassen so mal locker, erhalten eine für ihre Bedürfnisse richtige Animation. ,,Für den Anfang reicht eigentlich erstmal ein Gummiband", sagt Torsten Fleischer. Trotzdem hat er auch Fitnessübungen, Massagen, Walken, Physiotherapie Antistressübungen, Ernährungstraining oder regelmäßiges Laufen im Angebot.
Seien es Schreibtischtäter oder Flugzeughocker: die Rekonvaleszenten in spe werden von Torsten erst einmal vermessen, gewogen und fotografiert, damit der Erfolg nach umgestellter Ernährung, begleitender Fitness und anschließendem Herz-Kreislauf-Training belegbar wird. So ein Bildnis auf dem Nachtschränkchen hilft gegen klettenhafte Schweinehunde genau so gut wie Knoblauch gegen den Teufel.
“Mein Lieblingskunde ist Sporthasser;" lacht Torsten Fleischer. ,,Wir sind uns ans Herz gewachsen. Jedes Mal braucht er zehn Minuten, bis er Freude zeigt. ,Immer kommen Sie und stehlen mir die Zeit!' schimpft er. Wenn der Ärger dann verraucht ist, packt er aus. Sitzt ein-einhalb Stunden auf dem Fahrrad und strampelt und erzählt mir von seinen beruflichen ups und downs." Den meisten Läufern im Park fehlt die Puste für lange Gespräche. Sie drehen ihre Runden, bald jeden Morgen. Man kennt sich und sieht sich, immer zur selben Zeit. Eine alte Frau, die ihren müden Cockerspaniel auf dem Fahrrad sitzend spazieren treibt, blinzelt uns verschwörerisch zu. Die Gärtner stecken ihre Harke in den nassen Laubhaufen, als wir federnd vorbeiwippen: schönen guten Morgen auch.
Das Tempo bestimme ich. Torsten korrigiert allenfalls, und wenn ich mal wieder allzu früh aufgeben will, treibt er mich noch mal an. "Muskelkater ist geschenkt", sagt er. Die Wärme danach hält stundenlang an. Eine rosige Gesichtsfarbe bis zum frühen Nachmittag und kaum noch Erschöpfung vor der Nachtruhe. Wenn der Kunde dann erst einmal von alleine losläuft ist das Ziel erreicht: der innere Schweinehund hat sich verzogen. Bis dahin heißt es: motivieren und körpergerecht anleiten, manchmal über Monate. "Die Chemie muß allerdings stimmen", sagt Torsten. Von Inge Ahrens
Morgen für Morgen steht er am Fußende des Bettes, reibt sich die Fäuste und beobachtet mich dabei, wie ich dem schrillenden Wecker eins auf die Mütze gebe und mich wieder in die nachtwarmen Kissen drücke. Auf die andere Seite rolle, um ihn nicht mehr sehen zu müssen, den Schweinehund, der wieder mal über meine Trägheit triumphiert. Doch es klingelt. Ein Mal, zwei Mal, immer wieder.
“In hartnäckigen Fällen klingele ich mehrmals“, sagt Torsten Fleischer. Er ist schon länger wach. Für ihn beginnt an meiner Türschwelle der Arbeitstag. Torsten ertastet meinen Puls, verordnet einen Apfel, ermuntert mit ein wenig Stretching die Gelenke und überprüft mein Schuhwerk. ,,Jetzt geht's los!" sagt er. Es ist 7 Uhr 30. Wir tauchen ein in den dämmrigen Park. Denn Torsten Fleischer ist mein ganz persönlicher Trainer. Ein Examinator, und was meinen inneren Schweinehund betrifft, ist er ein wahrer Teufelsaustreiber.
Frühmorgens im Park sind wir fast allein. Nur ein Schwanenpärchen macht eine kleine Bugwelle auf dem Wasser, und ein Eichhörnchen stiebt ins raschelnde Laub, als es uns kommen sieht. Mit straffem Schritt tauchen wir ein in die duftende Frische. Der nachtfeuchte Boden schmatzt. Langsam fallen wir in leises Traben. Wie auf Kommando verwandelt sich der graue Tagesbeginn in rosaroten Morgendämmer. Der Kopf wird frei, schon an der ersten Biegung. „Wer besser durchblutet ist, kann auch besser nachdenken", findet Torsten und horcht auf meinen Atem: einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund. Den eigenen Rhythmus finden. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Die Säfte fließen. Unter dem Hemd bildet sich ein Rinnsal. ,,Wer Seitenstiche bekommt, muss noch üben." Längst sind wir in lockeres Laufen gefallen, spüren Schenkel und Po und eine ermunternde Energie, die sich als Wärme in den Fingerspitzen und Zehen breit macht.
Torsten trainiert die Besserverdienenden. ,,Die erkennen ab einem gewissen Alter, dass sie was tun müssen: Manager, Ärzte, Schauspieler, Journalisten, Unternehmer." Die meisten sind um die 50, mehr Frauen als Männer. Torsten selbst ist 27, Student der Sportwissenschaften kurz vorm Diplom. Im neuen Jahrtausend hat er sich mit einer Partnerin und einer Wellness Agentur selbstständig gemacht. Sowie er arbeiten rund 250 hauptberufliche Personal Trainer in Deutschland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, dazu ist die Branche noch zu jung. Viele drehen auch zusätzlich zu ihrer Arbeit im Fitness-Zentrum mit Einzelkunden ihre Runden.
Ein Personal Trainer kommt nach Hause, ins Hotel oder ins Büro. Fitnesstraining an Geräten wird im nahen Studio gemacht. Selbst Termin gestresste Leute lassen so mal locker, erhalten eine für ihre Bedürfnisse richtige Animation. ,,Für den Anfang reicht eigentlich erstmal ein Gummiband", sagt Torsten Fleischer. Trotzdem hat er auch Fitnessübungen, Massagen, Walken, Physiotherapie Antistressübungen, Ernährungstraining oder regelmäßiges Laufen im Angebot.
Seien es Schreibtischtäter oder Flugzeughocker: die Rekonvaleszenten in spe werden von Torsten erst einmal vermessen, gewogen und fotografiert, damit der Erfolg nach umgestellter Ernährung, begleitender Fitness und anschließendem Herz-Kreislauf-Training belegbar wird. So ein Bildnis auf dem Nachtschränkchen hilft gegen klettenhafte Schweinehunde genau so gut wie Knoblauch gegen den Teufel.
“Mein Lieblingskunde ist Sporthasser;" lacht Torsten Fleischer. ,,Wir sind uns ans Herz gewachsen. Jedes Mal braucht er zehn Minuten, bis er Freude zeigt. ,Immer kommen Sie und stehlen mir die Zeit!' schimpft er. Wenn der Ärger dann verraucht ist, packt er aus. Sitzt ein-einhalb Stunden auf dem Fahrrad und strampelt und erzählt mir von seinen beruflichen ups und downs." Den meisten Läufern im Park fehlt die Puste für lange Gespräche. Sie drehen ihre Runden, bald jeden Morgen. Man kennt sich und sieht sich, immer zur selben Zeit. Eine alte Frau, die ihren müden Cockerspaniel auf dem Fahrrad sitzend spazieren treibt, blinzelt uns verschwörerisch zu. Die Gärtner stecken ihre Harke in den nassen Laubhaufen, als wir federnd vorbeiwippen: schönen guten Morgen auch.
Das Tempo bestimme ich. Torsten korrigiert allenfalls, und wenn ich mal wieder allzu früh aufgeben will, treibt er mich noch mal an. "Muskelkater ist geschenkt", sagt er. Die Wärme danach hält stundenlang an. Eine rosige Gesichtsfarbe bis zum frühen Nachmittag und kaum noch Erschöpfung vor der Nachtruhe. Wenn der Kunde dann erst einmal von alleine losläuft ist das Ziel erreicht: der innere Schweinehund hat sich verzogen. Bis dahin heißt es: motivieren und körpergerecht anleiten, manchmal über Monate. "Die Chemie muß allerdings stimmen", sagt Torsten. Von Inge Ahrens

Torsten Fleischer
Berlin
Torsten Fleischer ist Sportwissenschaftler und selbstständiger Personal Trainer seit 1998. Seit 2000 führt er gemeinsam mit Susan Ratzow das Personal Wellness Management in Berlin. Für ihn ist die Freude an der Bewegung der wichtigste und größte Erfolgsfaktor. "Gesundheit erflehen die Menschen von Göttern, dass es aber in ihrer Hand liegt, diese zu bewahren, daran denken sie nicht"
Berlin
Torsten Fleischer ist Sportwissenschaftler und selbstständiger Personal Trainer seit 1998. Seit 2000 führt er gemeinsam mit Susan Ratzow das Personal Wellness Management in Berlin. Für ihn ist die Freude an der Bewegung der wichtigste und größte Erfolgsfaktor. "Gesundheit erflehen die Menschen von Göttern, dass es aber in ihrer Hand liegt, diese zu bewahren, daran denken sie nicht"
Google-Anzeigen
31 weitere Tipps und Artikel unserer Personaltrainer zum Thema "Literatur und Presse"
Der erste Fitness-Roman Deutschlands
Fang an! - Die Jagd nach dem Schweinehund!
Von Christian Fredlmeier
Fang an! - Die Jagd nach dem Schweinehund!
Von Christian Fredlmeier
Über 185 Übungsvariationen mit dem Tube
BEST OF TUBE
Von beweg BAR
BEST OF TUBE
Von beweg BAR



