Alles im Fluss, alles klar? Nicht wirklich. Gehört hat fast jeder schon mal von Qi Gong – und tappt meist doch im Dunkeln, wenn es um eine genaue Vorstellung von der fernöstlichen, jahrtausendealten Kunst zur Harmonisierung von Körper, Geist und Seele geht. Bringen wir doch etwas Licht in diese Sache. Denn eines können wir schon mal vorweg nehmen: Mit Qi Gong kommt ihre Lebensenergie in Fluss. Und das ist auch gut so.
Was ist Qi Gong, was nicht?
Damit ein häufiges Missverständnis gleich zu Beginn aus dem Weg geräumt ist: Qi Gong ist keine gymnastische Methode. Auch wenn zuweilen von Atemgymnastik gesprochen wird, ist dies haarscharf und doch vorbei am Wesentlichen. Von außen betrachtet sieht ein Qi-Gong-Übender tatsächlich so aus, als würde er irgendeine mit besonderer Atmung verbundene Gymnastik ausführen. Zugegeben: Die weichen, fließenden Bewegungen tun Muskeln wie Gelenken gut und die geübte Bauchatmung verbessert die Sauerstoffversorgung im Körper.
Aber Qi Gong auf diese Effekte zu reduzieren, das ist als würde man einen Computer samt Bildschirm lediglich als Tischlichtquelle verwenden. Na ja, so ähnlich jedenfalls. Aber auch wenn der Vergleich hinkt, so geht es bei beiden doch eher um die "inneren Werte".
Qi Gong und TCM
Nun werden sicher die ersten Skeptiker hellhörig: Innere Werte, was bitte soll das denn sein? Bevor nun das Ganze aber als "esoterischer Hokuspokus" abgetan wird, sei angeführt, dass die Methode tief in der Traditionellen Chinesischen Medizin verankert ist. Zusammen mit Akupunktur, Kräuterkunde, medizinischer Massage und Ernährungslehre bildet Qi Gong die Säulen auf denen die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz: TCM, steht. Deren Wirkungen lassen sich empirisch, also aus der Erfahrung, seit mehreren tausend Jahren bestätigen. Man kann also guten Gewissens bei Qi Gong von einer therapeutischen Methode sprechen.
Doch was unterscheidet Qi Gong etwa von unseren westlichen heilgymnastischen Methoden? Schon die Begrifflichkeit gibt da einen ersten Hinweis. Das chinesische Wort Qi lässt sich unter anderem als Energie, Atem oder Lebensenergie übersetzen. Während der Begriff Gong soviel wie Arbeit oder Übung bedeutet. Somit kann man Qi Gong frei als Energiearbeit übersetzen.
Treibstoff für den Körper
Dabei ist Qi gemäß der chinesischen Philosophie der Treibstoff, der unseren Körper am Leben und am funktionieren hält. Das Qi zirkuliert, ähnlich wie Blut und Lymphe, im Körper in festen Bahnen, die Meridiane genannt werden. Nach Auffassung der TCM ist ein Körper gesund, wenn das Qi frei und ungehindert im Körper fließt. Umgekehrt gibt es bei Staus oder Blockaden des Qi-Stroms Mangelerscheinungen und Krankheiten mit entsprechenden Symptomen.
Ziel von Qi Gong ist es also, prophylaktisch und auch therapeutisch das Qi im Körper frei fließen zu lassen, es in Fluss zu bringen. Darüber hinaus soll verbrauchte, schlechte Energie aus dem Körper abgeführt, sowie frische Energie aufgenommen und dem eigenen Energiesystem zugeführt werden. Dies geschieht über bestimmte Energieknotenpunkte und –Zentren, die allesamt Akupunkte sind, im Einklang mit bestimmten Bewegungen, bewusster Atmung und Konzentration.
Energie soll fließen
Gelingt es auf diese Weise den Qi-Fluss im Körper sicherzustellen, kommt es nachweislich meist zur Verbesserung des Befindens und der Gesundheit. Wie bei fast allen Dingen im Leben gilt jedoch auch bei Qi Gong "Einmal ist keinmal!" Wenn man jedoch eine Qi-Gong-Form erlernt hat und sie regelmäßig übt, sie wie das Zähneputzen in den Alltag einbindet, dann werden sich positive gesundheitliche Effekte auch fast immer einstellen.
Eine Möglichkeit für einen "Erstkontakt" mit Qi Gong kann ein Volkshochschulkurs sein. Finden Sie dann Gefallen daran, können Sie die Methode vertiefen und eine gesundheitlich orientierte Form lernen. Dafür sollten Sie sich einen gut ausgebildeten Lehrer suchen, der das Augenmerk immer wieder auch auf das Erfahrbarmachen des Qi legt und somit seinen Schülern das gesamte Wirkspektrum der gesundheitsfördernden Methode Qi Gong vermittelt. Es wäre doch schade, wenn Sie nicht das ganze "Paket" bekämen, oder?