Gefühle besser bewältigen

Ärger und Wut Gefühle besser bewältigen

Wer sich ständig ärgert, vergeudet seine Energie. Gut, dass es einfache Strategien gibt, um solchen Emotionen nicht ausgeliefert sein zu müssen.

Emotionen im Leben sind wie das Salz in der Suppe. Zu wenig davon ist langweilig, zu viel tut auch nicht gut. Erlebt man sehr häufig extreme Emotionen wie großen Ärger, kann einen das aus der Balance werfen. Hingegen macht ein gelingender Umgang mit Gefühlen unser Leben entspannter und lebenswerter. Doch besonders wenn Vieles auf einmal kommt, ist es gar nicht so leicht, mit einer gesunden Selbstwahrnehmung Gefühle wie die eigene Wut zu betrachten. In sich „hineinfressen“ oder „dem Ärger freien Lauf lassen“ bringt langfristig vor allem eins: Nachteile. Was machen wir also mit unserem Ärger?

Ärger ist eine grundlegende Emotion, die wir im Alltag immer wieder erleben. Er tritt beispielsweise in sach- und personenbezogenen Situationen auf. Auf Dauer kann Ärger zu negativen Begleiterscheinungen führen: psychosomatischen Beschwerden wie ansteigendem Blutdruck, Magenschmerzen oder gar Herzerkrankungen. Umso wichtiger ist es, schnell umsetzbare Bewältigungstechniken zu kennen und anwenden zu können.

Wie Ärger entsteht

Um effizienter mit dem eigenen Ärger umgehen zu können, ist es nützlich etwas genauer hinzuschauen, um sich der Auslöser besser bewusst werden zu können. Beispielsweise wird Ärger oft durch physische oder verbale Angriffe, Provokationen, scharfe Kritik oder gar Herabwürdigung ausgelöst. In unserem Alltag kann die empfundene Herabwürdigung durch einen Kollegen ein für Sie Ärger auslösendes Ereignis sein. Muss es aber nicht. Dies ist zum einen von Ihrer persönlichen Neigung Ärger zu empfinden abhängig – die kann einen genetischen Hintergrund haben oder durch Erfahrungen „erlernt“ sein. Meist ist es von beidem etwas. Zum anderen ist das Ausmaß des empfundenen Ärgers von Ihrer kognitiven Situationsbewertung abhängig. Das heißt: Es macht einen Unterschied aus, wie Sie sich die Situation erklären: ob Sie glauben, der Kollege habe absichtlich gehandelt oder versehentlich bzw. unbewusst.

Übernehmen Sie Verantwortung

Überlegen Sie, wie Sie künftig mit solchen Situationen umgehen möchten. Ihr imaginärer Kollege hat diese Bemerkung vielleicht nach fünf Minuten wieder vergessen. Doch wenn es ungünstig läuft, belastet Sie diese Situation noch Stunden, Tage, Wochen oder gar Monate. Ein Energiefresser. Bei jedem äußeren Reiz gibt es einen Bereich, der nur Ihrer Verantwortung obliegt. Sprich: Unabhängig von der Aktion Ihres Kollegen können Sie selbst entscheiden, die Verantwortung für Ihre Reaktion zu übernehmen und sich nicht allzu sehr zu ärgern. Diesen Raum der eigenen Verantwortung müssen Sie sich für eine selbstverantwortliche Reaktion bewusst machen und nach und nach ausweiten. Klar, einfach ist das nicht. Aber es lohnt sich.

Erkennen Sie Ihre Emotionen

Aufmerksamkeit und eine bewusste Selbstwahrnehmung sind die Grundlage für selbstbestimmtes Fühlen und Handeln. Und die Wiederholung ist die Mutter allen Lernens. Bei diesen ersten Schritten hilft es, wenn Sie immer wieder mal tief durchatmen, eine gedankliche Pause einbauen und sich Ihrer Emotionen bewusst werden.

Einfühlungsvermögen relativiert

Bleiben wir bei unserem Beispiel: Für den zweiten Schritt haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie gehen aktiv auf Ihren Kollegen zu und konfrontieren ihn offen und möglichst wertfrei mit Ihren Emotionen, z.B. können Sie sagen: „Ich bin sehr über deine Worte verärgert. Gibt es einen bestimmten Grund für dein Verhalten, können wir darüber reden?“ Oder Sie machen die Angelegenheit mit sich selbst aus und versuchen Ihren Kollegen ein wenig besser zu verstehen. Welche Hintergründe kann es für sein Verhalten geben? Vielleicht hatte er einen schwarzen Tag, der Chef hat ihn gerügt oder ein anderer Kollege hat ihn herabgewürdigt und er gibt es an Sie weiter. So paradox es klingt: Eventuell ist es auch ein verstecktes Lob, weil der Kollege Sie als bedeutender wahrnimmt und Sie herabstuft, um sich besser zu fühlen. Wenn Sie ihn auf diese Weise besser verstehen können oder dies auch nur glauben, relativiert sich Ihr Ärger schon ganz wesentlich.

Verzeihen entfaltet Lebensenergie

Der dritte Schritt kann manchmal schwer fallen, doch er kann sehr mächtig sein: Wir lernen viel effektiver durch Nachahmen als durch Worte. Sie haben nun die Chance, Verantwortung zu übernehmen und sich anders zu verhalten als verärgert zu reagieren, denn Sie sind der Meister Ihrer Gedanken und Emotionen. An diesem Punkt können Sie etwas tun, was vielleicht komisch klingt: Sie verzeihen Ihrem Kollegen. Dabei ist es egal, ob verbal oder nur mental, denn Ihr Gegenüber muss es noch nicht einmal erfahren. Durch das Verzeihen geben Sie sich die Möglichkeit, das Ganze schneller loszulassen und können dadurch wieder Energie und Lebensfreude entfalten.

Der Gedankenfokus

Die höchste Kunst ist der optionale vierte Schritt. Sie wünschen Ihrem Kollegen in Gedanken nur das Beste, Gesundheit, Liebe, Freude und ein erfülltes Leben. Lachen Sie nicht, das geht! Allerdings muss man dafür meist lange üben. Leichter und schneller kann das mit einem Personal Trainer gehen, der sich auf Felder wie Mental-Coaching oder Stressmanagement spezialisiert hat. Was so ein Coaching kosten wird? Meist liegt die Höhe des Honorars pro Stunde zwischen 70 und 150 Euro.

Fazit

Übrigens: Sich nie mehr zu ärgern, wird wohl kaum funktionieren. Wenn es sich also gar nicht vermeiden lässt, dann genießen Sie doch einfach mal das Ärgern. Denn: Auch Ärger kann die Suppe des Lebens würziger machen. Dieser Zustand sollte dann aber schnellstmöglich wieder aufgelöst werden, damit Ihnen Energie für Wichtigeres im Leben bleibt.

Quellen & Studien (3)
V. F. Birkenbihl: „Anti-Ärger-Strategien“ (https://www.youtube.com/watch?v=eWi0F5MBwxc)
S. Konrad/Claudia Hendl: „Stark durch Gefühle“. Augustus Verlag, Augsburg 1997.
J. Otto/H. Euler/H. Mandl: „Emotionspsychologie – ein Handbuch“. Psychologie Verlags Union, Weinheim 2000.