Nicht jeder ist so alt wie er aussieht. Und das ist nicht immer ein Kompliment. Wie groß der Unterschied zwischen den Lebensjahren und dem biologischen Alter tatsächlich sein kann, das haben US-Forscher der Duke University im amerikanischen North Carolina in einer umfangreichen Studie mit rund 1000 Personen über vier Jahrzehnte ermittelt. Alle Testpersonen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin, dessen Name die Studie trägt, wurden von ihrer Geburt bis zum 38. Lebensjahr regelmäßig anhand von Biomarkern sozusagen auf "Herz und Nieren" untersucht: Organe, Immunsystem, Zähne, Stoffwechsel – es war sozusagen ein jährlicher TÜV. Das zentrale Ergebnis der "Dunedin-Studie", dessen Hauptautor der Gerontologe Dan Belsky ist: Das biologische Alter der Testpersonen unterschied sich enorm.
Studienteilnehmer: Manche alterten in 12 Monaten nicht
Bis zu unfassbaren 33 Jahren lag das biologische Alter der 38-Jährigen auseinander. Manche der Studienteilnehmer wurden quasi jünger: Sie alterten innerhalb eines Jahres biologisch gar nicht. Ihr chronologisches Alter war also höher als ihr biologisches. Für sie drehten sich die Uhren in jenem Jahr rückwärts...
Die Ergebnisse der "Dunedin-Studie" muss man erst einmal sacken lassen. Denn: Wer möchte nicht lieber zu jenen gehören, die im Schneckentempo altern? Und sofort stellt sich die pragmatische Frage: Wie weit kann man das Tempo, in dem man biologisch altert, beeinflussen? Sehr weit! Auf Basis der Zwillingsforschung vermutet man, dass Gene Alterungsprozesse nur zu 20 Prozent bestimmen. Der Rest sei umweltbedingt. Will heißen: Die Prozesse sind also durchaus beeinflussbar.
Chromosomen reagieren auf Lifestyle
Auch die Länge der Telomere, also der Chromosomenenden, wurde in der "Dunedin-Studie" gemessen. Telomere verkürzen sich im Alter und sind damit ein Indikator für den fortschreitenden Alterungsprozess. Erst vor Kurzem zeigte eine Studie des "Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior" in Los Angeles, dass sich bei Menschen, die Yoga praktizieren, die Telomere langsamer verkürzen. Wer seinen Lebensstil für einen Zeitraum von fünf Jahren auf eine gesunde Ernährung, regelmäßige Meditation, moderaten Sport und Stretching oder Dehnübungen wie im Yoga umstellt, dessen Chromosomenenden gewinnen um rund zehn Prozent an Länge, zeigten Forscher der University of California San Francisco. So ein Lifestyle ist übrigens auch eine gute Strategie, um Stress abzubauen und die sogenannte individuelle Resilienz zu stärken, womit die seelische Widerstandskraft gemeint ist.
"Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Telomere in dem Maße verlängern können, in dem Menschen ihren Lebensstil verändern", sagt Dean Ornish, Hauptautor der kleinen Pilotstudie der UCSF. Sein Fazit: "Unsere Gene sind nicht zwangsläufig unser Schicksal." Wir können also selbst etwas für "gute" Gene tun. Als relativ neues Forschungsfeld bestätigt die Epigenetik diese Auffassung. In dieser Disziplin wird die Rolle von Umwelteinflüssen für unsere Gene untersucht.
16 Jahre gewinnen mit Sport
Wer jung bleiben will, der sollte mit zunehmendem Alter seinen Stoffwechsel verstärkt ankurbeln. Dr. Eliza F. Chakravarty und ihr wissenschaftliches Team von der Stanford University konnten nachweisen, dass regelmäßiges Lauftraining den Alterungsprozess verlangsamen kann. In einem Beobachtungszeitraum von 19 Jahren waren in der vergleichenden Studie 34 Prozent der Nicht-Sportler verstorben, aber nur 15 Prozent der Läufer – also rund die Hälfte. "Beide Gruppen sahen sich im Laufe der Jahre zunehmend mit Einschränkungen bei alltäglichen Aktivitäten konfrontiert, beispielsweise bei der Fortbewegung, beim Ankleiden oder bei der Körperpflege. Doch machten sich diese Einschränkungen bei den Sportlern durchschnittlich 16 Jahre später bemerkbar", berichtet medibox.net. Auch mit dynamischen Elementen des Yoga lässt sich der Stoffwechsel ankurbeln. Und dazu muss man nicht bei Affenhitze Bikram Yoga machen – es reichen Flow-Elemente, also schnellere Übergänge von einer Stellung in die Nächste.



