Magic Moment eines Personal Trainers 

Erfahrungsberichte Magic Moment eines Personal Trainers 

Vor einigen Jahren rief mich ein mir unbekannter Mann an: „Ich brauche Ihre Hilfe“, sagte er nur am Telefon. Natürlich machte mich das neugierig, was meinte er damit? Wir unterhielten uns kurz und vereinbarten einen Termin bei ihm zu Hause.  Als ich bei Ihm vor der Tür stand, öffnete mir ein kleiner, älterer und recht fülliger Mann und bat mich herein. Beim Betreten des Hauses war mir sehr schnell klar, dass es sich um einen gutsituierten Menschen handeln musste, dem es zumindest materiell an nichts fehlte. Sein beeindruckendes Haus, die Einrichtung, das Schwimmbad und die teuren Sportgeräte sprachen für sich. Was er mir dann erzählte, hatte ich allerdings nicht erwartet ...

Wir setzten uns und er erzählte mir seine Lebensgeschichte. Er war Mitte 60 und 40 Jahre mit seiner Frau glücklich verheiratet gewesen, bevor sie zwei Jahre zuvor verstorben war. Bis dahin hatte er mit ihr nahezu die ganze Welt bereist. Es gab kaum einen Fleck auf dem überdimensionalen Globus im Eingangsbereich, wo nicht zahllose Markierungen von den gemeinsamen Touren zeugten. Außerdem teilte er mit seiner Ehefrau die Leidenschaft für die Oper. So war es nur selbstverständlich, dass auf Ihren Reisen sie auch alle großen Opernhäuser dieser Welt besucht hatten. 

Doch nach dem Tod seiner Frau hatte er sich vollkommen zurückgezogen. Er verließ kaum noch das Haus, sein Geschäft hatte er verkauft. Er achtete nicht mehr auf den sonst soliden und geregelten Lebenswandel. So stand er jetzt mit seinen 1,63 Metern und 113 Kilogramm vor mir. 

Wie konnte ich ihm helfen? Wie konnte ich jemanden etwas geben, was er offensichtlich verloren hatte: den Inhalt und den Sinn seines Lebens. Das erfüllte und gemeinschaftlich geprägte Leben war nicht mehr da. Nichts und niemand konnte ihm das ersetzen. 

Doch sein Hilferuf war der erste Schritt zur Veränderung. Er wusste: Ich muss etwas unternehmen, bevor ich mich selbst zerstöre! 

Für mich war es eine Herausforderung. Wie kam ich über den Körper an den Kopf? Wie konnte ich sein Alltagsverhalten beeinflussen, um in seinem Bewusstsein einen Wechsel von Traurigkeit zur Dankbarkeit zu erzeugen? Wie konnte er wieder zu einem neuen Lebenssinn finden? 

Wir kramten in alten Fotos herum, suchten Fotos von glücklichen Momenten, von Situationen, in denen er sich selbst gefiel und versuchten eine Vorstellung zu entwickeln, für die es sich lohnt, sich aufzuraffen. Wir trafen uns zweimal in der Woche zum Training. Die erste Zeit nutzten wir die Möglichkeiten im Haus (Trainingsgeräte, Treppen etc.), später bewegten wir uns auch in einem nahegelegenen Waldstück. Es war eine Überwindung, wieder nach draußen zu gehen und auch anderen Menschen wieder gegenüberzutreten. Jede Trainingseinheit wurde akribisch und detailliert in einem kleinen Notizbuch protokolliert. 

Es dauerte viele Trainingseinheiten, um die körperliche Fitness wiederherzustellen. Parallel führten wir aber auch zahlreiche Gespräche, um aus der Traurigkeit und dem Verlust, eine Einstellung zur Dankbarkeit zu entwickeln, für das, was er in 40 Jahren glücklicher Zweisamkeit erleben durfte. Es zeigten sich Schritt für Schritt kleine Veränderungen bis ich nach etwa anderthalb Jahren zum Trainingstermin erschien und er begrüßte mich lachend und freudig, dass er eine Reise gebucht hatte, die mit dem Besuch der Metropoliten Opera in New York enden würde. 

Das war die Wende. 

Er suchte wieder den Kontakt zu Bekannten, schloss sich Gemeinschaften an und freute sich über sein neu gewonnenes Selbstverständnis. Er konnte dankbar zurückblicken. Mehr noch: Er hatte sich neu entdeckt und war sich über sich selbst bewusst geworden, was seinem Leben einen neuen Sinn gab. 

Denn: Sinnlosigkeit macht einsam und kann einen Menschen zerstören! 

Das wiedergewonnene Lebensgefühl, eine verbesserte körperliche Fitness, all das zeigte sich in seiner Körperhaltung und seinem optimistischen Ausdruck. Was für ein Glücksgefühl! 

Auch ein schöner Moment und ein zufriedenes Gefühl für mich als Coach, denn mehr konnte ich nicht erreichen! 

P.S. Die Person auf dem Foto ist nicht identisch mit der Person meiner Geschichte

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