Was du gleich erfahren wirst:
Die Augen trainieren – davon hört man wirklich selten. Aber es gibt sehr gute Gründe dafür, dass auch die Augen spezifisch trainiert werden sollten. In diesem Text erfährst du, was die Gründe sind, welche typischen Probleme der Augen es gibt, was die Ursachen dafür sein können und simple Strategien zur Verbesserung der Situation. Dabei stehen Übungen im Fokus, die jederzeit und überall umgesetzt werden können.
Warum sollte ich meine Augen und damit das Sehen trainieren?
Bricht man es einmal auf das Wesentliche herunter, existieren die fünf Sinne des Menschen aus einem elementaren Grund: Informationen sammeln.
Anhand dieser Informationen entscheidet unser Gehirn, ob unsere Umgebung für uns bedrohlich ist oder ob wir uns sicher fühlen können. Je mehr Informationen gesammelt werden, desto besser kann unser Gehirn abschätzen, welches Verhalten notwendig ist, um sich sicher durch die Welt zu bewegen.
Jedes Sinnesorgan nimmt andere Gegebenheiten der Umwelt wahr. Es existiert eine Hierarchie der Sinne. In dieser steht das Sehen an erster Stelle. Es bekommt also die höchste Priorität zugewiesen, denn kein anderes Sinnesorgan liefert dem Gehirn derart umfangreiche Informationen wie die Augen.
Stellt man sich beispielsweise vor, dass man ohne zu riechen, schmecken, tasten oder hören den Weg zur Arbeit bewältigen soll, dann mag einem das schwierig erscheinen, aber sicher nicht unmöglich. Zur Arbeit zu kommen, ohne zu sehen, ist jedoch die deutlich größte Herausforderung.
Wie profitiert mein Gehirn von Augentraining?
Augentraining ist gleichzeitig auch Gehirntraining. Da jede Bewegung vom Hirn gesteuert wird, lässt sich das zwar von jedem anderen Training mit Recht auch behaupten. Allerdings nehmen die Hirnareale, die die Eindrücke der Augen verarbeiten, im Gehirn sehr viel Platz ein. Kurz gesagt, Bewegungen der Augen aktivieren mehr Gebiete im Gehirn als es andere Bewegungen tun.
Welche Rolle spielt die Muskulatur beim Augentraining?
Ein weiterer guter Grund, die Augen zu trainieren, ist die Muskulatur. An jedem Augapfel sind sechs sogenannte extraokulare Muskeln verankert. Diese sorgen dafür, dass wir unsere Augen im Schädel drehen und den Blick auf verschiedenste Dinge richten können, ohne den Kopf oder den Rest des Körpers bewegen zu müssen.
Wie bei jeder anderen Muskelgruppe kann es passieren, dass auch diese Muskeln zu schwach oder zu unbeweglich werden. Außerdem können Ungleichgewichte entstehen - zwischen den sechs Muskeln an einem Auge oder den zwölf Muskeln beider Augen.
Daraus resultieren Probleme für den restlichen Körper. So kann beispielsweise ein Auge gut funktionieren, während das andere wegen eines Defizits dem Gehirn weniger nützlich ist, um Informationen zu sammeln. In Folge dessen kommt es häufig dazu, dass der Hals dauerhaft in leicht veränderter Haltung positioniert wird. Dadurch wird das gut funktionierende Auge dem schlechteren vorgezogen. Das bessere Auge wird stärker eingesetzt. Eine derart veränderte Kopfposition kann negative Auswirkungen auf alle unterhalb liegenden Gelenke im Körper haben, allen voran die Wirbelsäule. Diese muss von ihrer natürlichen Position abweichen, um die Fehlhaltung des Kopfes auszugleichen. Viele der klassischen Rückenprobleme können hiermit in Verbindung stehen.
Was können die Ursachen für schlecht funktionierende Augen sein?
Wie so oft, wenn es um Defizite des modernen Menschen geht, sind die meisten Ursachen dem technologischen Fortschritt zuzuschreiben. Die Augen werden zu wenig bewegt. Sämtliche Brillen halten den Blick in einem spezifischen Rahmen. Außerhalb dessen wird schlechter gesehen und das Auge daher selten dorthin bewegt. Kontaktlinsen sind, so gesehen, die klare Empfehlung.
Noch häufiger verbreitet als Brillen sind Bildschirme. Auch diese stellen einen Rahmen dar, in dem wir unsere Augen bewegen. Ob es die kleinen Varianten sind (Smartphones, Tablets, etc.) oder die großen (Fernseher, Leinwände, etc.), wir alle schauen dauerhaft darauf und nur noch wenig darüber hinaus. Als die Evolution unsere Augen anatomisch an die Umwelt angepasst hat, mussten wir viel öfter in die Ferne sehen. Eine weitere Fähigkeit der Augen, die heutzutage bei den meisten Menschen eingeschränkt ist.
Welche Wirkungen haben Augenübungen?
Gut sehen können, das bedeutet mehr, als nur die Augen gut bewegen zu können. Die Bewegung hat dennoch einen großen Anteil daran. Die folgenden Übungen haben in erster Linie die Muskulatur im Fokus und deren Aufgabe, für eine gute Qualität der Augenbewegungen zu sorgen.
Die Übungen sollten in einer möglichst entspannten, aufrechten Standposition durchgeführt werden. Solltest du während der Ausführung das Gefühl haben, ins Schwanken zu geraten, fangen deine Augen an zu tränen oder es wird dir schwindelig, dann ist das Training im Stehen noch zu intensiv. In diesem Fall kannst du es dir im Sitzen zunächst einfacher machen.
Außerdem solltest du das Augentraining ohne Brille durchführen, falls dir das möglich ist. Dadurch trainierst du deine Augen in ihrem natürlichen Rahmen.
Augenübung Nr. 1 – Sakkaden
Sakkaden sind Sprünge, die die Augen von einem Objekt zu dem nächsten vollführen können. Suche dir drei unterschiedlich weit entfernte Objekte und springe mit deinem Blick zwischen ihnen hin und her. Wichtig ist hierbei, dass du jedes Objekt so klar wie möglich sehen können solltest, bevor du zum nächsten springst. In dieser Variante sollten große Abstände zwischen den Objekten liegen.
Augenübung Nr. 2 – Eye Push Ups oder Liegestütze für die Auge
Strecke einen Arm vor dir aus. Spreize einen Daumen nach oben ab („Daumen hoch“). Halte den Daumen auf Höhe deiner Nase. Nun führst du den Daumen langsam bis zur Nasenspitze und wieder zurück in die Ausgangsposition. Dabei solltest du den Daumen als einzelnes Objekt sehen. Falls du ihn an einer bestimmten Stelle doppelt siehst, ist diese Stelle dein Umkehrpunkt.
Augenübung Nr. 3 – Kompass und Daumen
Strecke einen Arm vor dir aus. Spreize einen Daumen nach oben ab ("Daumen hoch"). Halte den Daumen auf Höhe deiner Nase. Stelle dir einen Kompass vor. Nun führst du den Daumen langsam in alle vier Haupthimmelsrichtungen: Norden, Süden, Westen, Osten. Kehre immer wieder zum Punkt vor deiner Nase zurück, bevor du eine neue Richtung einschlägst.
Fazit
Gönne deinen Augen während dauerhafter Bildschirmarbeit oder dauerhaftem Aufenthalt in geschlossenen Räumen etwas Abwechslung. Führe eine der oben genannten Übungen drei bis fünf Mal durch und das am besten drei bis fünf Mal am Tag. Im Idealfall beginnst du damit jetzt!