In meiner Jugend war ich eher musikalisch unterwegs, hatte viele Auftritte und stand mit anderen jungen Musikern im Wettstreit. Trotzdem war die 1 im Sportunterricht immer klar. Erst mit 25 Jahren bin ich zum ersten Mal in einem Fitness-Studio gewesen, habe dort Monat für Monat meine Runden gedreht und bin dann zufällig in einen Aerobic-Kurs gestolpert. Mit war bis dahin nicht bewusst, wie sehr mir diese Bewegungsform liegt. Von Stund an "sammelte" ich einen Trainerschein nach dem anderen und unterrichtete fast alles, was auf dem Fitnessmarkt angesagt war.
Nein. Wir Menschen sind für die Bewegung gemacht, ganz besonders ich. Ich bin dankbar, zwei gesunde Arme und Beine zu haben.
Welche sportlichen Trends findest du derzeit spannend?
Parcours finde ich klasse. Mit dem ganzen Körper in Aktion zu sein, zu springen, zu klettern, zu balancieren – toll! Überhaupt: Das Training mit dem eigenen Körpergewicht begeistert mich. Deshalb bin ich auch ein großer Fan vom BODYART-Training.
Wie motivierst du dich selbst, wenn die Lust mal fehlt?
Das weiß ich tatsächlich nicht zu benennen. Ich persönlich habe einfach so viel Energie und Tatendrang in mir, dass es für mich und auch noch für die Motivation anderer Menschen reicht.
Was hat dich zu diesem Beruf gebracht?
2003 bakam ich ein Buch von Eginhard Kieß in die Hände, welches ich in einem Zug durchgelesen habe. Danach wusste ich, was ich eigentlich will, wozu ich gemacht bin.
Ich hatte bis dahin viele Trainerscheine gesammelt, nebenberuflich im Kursbereich alles unterrichtet, was angesagt war und viel positives Feedback von den Teilnehmern erhalten. Es war, als ginge ein Vorhang auf. Auf einmal habe ich ganz klare Bilder gesehen und wusste, dass ich genau das machen möchte.
Was macht dir an deinem Beruf am meisten Freude?
Die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten, mit denen ich tagtäglich arbeiten darf, erfüllt mich.
Ich bin dankbar für das gegenseitige Vertrauen und die Wertschätzung, die zu diesem Beruf unbedingt dazugehören. Zu erleben, wie Menschen durch meine Arbeit ihre persönlichen Ziele erreichen, erfüllt mich mit Stolz.
Ganz nebenbei erweitert sich mein persönlicher Horizont, weil ich von Menschen aus anderen Berufsgruppen lernen kann und mit vielen persönlichen Erfahrungen, Ansichten und Wissensschätzen konfrontiert werde.
Hattest du mal einen beruflichen Plan B – was wärst du sonst geworden?
Ja. Allerdings ist dieser Plan B mein Plan A gewesen und liegt in der Vergangenheit. Ursprünglich habe ich als Ingenieurökonomin für das Bauwesen in einem Architektenbüro gearbeitet und später in der Tochtergesellschaft einer Bank. Glücklich war ich damit nicht und habe es als Befreiung empfunden, mit dem Personal Training meine eigentliche Berufung gefunden zu haben.
Was geht mit gutem Personal Training leichter als alleine im Studio oder in der Gruppe?
Ein guter Personal Trainer kennt die Stärken und die Schwächen seines Klienten/ seiner Klientin ganz genau und versteht es, ganz individuell zu motivieren. Bei der 1:1 Betreuung fällt jeder kleine Fehler auf und kann direkt korrigiert werden. Ein guter Personal Trainer weiß genau, wo sein Klient steht und wird ihn weder über- noch unterfordern. Das persönliche Ziel des Klienten steht im Focus, wobei die aktuelle Tagesform immer Berücksichtigung finden wird.
Welche Werte sind dir wichtig?
Sinnhaftigkeit
Ehrlichkeit
Verbindlichkeit
Wertschätzung
Dankbarkeit
Was ist dir in deinem Leben wichtig?
Persönliche Beziehungen zu anderen Menschen
Wie würdest du dich selbst beschreiben?
empathisch, mutig, ausdauernd, verbindlich, fröhlich, kreativ
Wofür engagierst du dich?
Ich engagiere mich für gesunde Ernährung in Deutschland - über die Organisation Foodwatch, welche der Nahrungsmittelindustrie auf die Finger schaut.
Wer hat dich beruflich oder sportlich geprägt?
Eine Klientin von mir, die seit dem 18. Lebensjahr an MS erkrankt ist, seit vielen Jahren im Rollstuhl sitzt und immer gute Laune hat, bewundere ich zutiefst. Sie steht jeden Morgen weit vor dem ersten Hahnenschrei auf, meistert ihren Alltag trotz aller Einschränkungen fast allein, arbeitet jeden Tag für eine große Firma und ist für deren behinderte Menschen da. Vor dieser Willenskraft, gepaart mit Lebensfreude und einer besonderen Stehaufmännchen-Mentalität, habe ich allergrößten Respekt.
Was bringt dich zum Lachen?
Ab besten kann ich über eigene Missgeschicke lachen, wenn sie ohne schwerwiegende Folgen bleiben und über Kinder, die ungefiltert äußern, was sie denken und fühlen.
Wovon wurdest du zuletzt positiv überrascht?
Meine Heimatstadt Neubrandenburg hat mich positiv überrascht. Sie hat sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt.
Welche Dinge neben dem Sport bestimmen dein Leben?
die Musik
meine Familie
gute Freunde
die mecklenburgische Seenplatte
die Arbeit im Garten
gute Bücher
Was sagst du Menschen, die glauben, sie seien einfach nicht sportlich?
Die Fähigkeit, sich aktiv zu bewegen, steckt in jedem Menschen. Es geht nicht darum, eine sportliche Höchstleistung abzurufen, sondern darum, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Kondition zu trainieren – jeder nach seiner Fasson. Gerade bei Menschen mit diesem Glaubenssatz reizt es mich, die passende Bewegungsform zu finden und für eine positive Überraschung zu sorgen.
Welcher war dein größter Erfolg beim Training mit Kunden?
Vier Klienten zwischen 40 und 60, die zuvor teilweise noch nie in ihrem Leben gelaufen waren, konnte ich auf die Teilnahme an einem sehr anspruchsvollen Staffelmarathon um den Tollensesee vorbereiten und als Team erfolgreich über die Ziellinie bringen.
Welcher war dein schönster Moment im Umgang mit Kunden?
Ein Klient, den ich nach dem Training schon verabschiedet hatte, stand kurz darauf wieder vor meiner Tür mit einem Eis in der Hand und sagte: „Sie wirkten heute irgendwie so traurig und das soll sie aufmuntern." An dem Tag ging es mir wirklich nicht gut, aber ab diesem Moment schon sehr viel besser.
Was unterscheidet dich von anderen im Personal Training?
Vielleicht, dass ich es bis heute nicht fassen kann, dass ich meinen Klienten so nahe kommen darf, dass so intensive, vertrauensvolle und langjährige Zusammenarbeiten entstehen. Ich bin sehr sehr dankbar dafür und empfinde meine Arbeit als ein Privileg.
Welche Rolle spielt Ernährung bei deinem Training?
Am Schaufenster zu meinem Bewegungsreich steht „Natürlich trainieren, natürlich ernähren, natürlich sein“. Die Ernährung ist also eine tragende Säule in meinem Training. Ich habe mich auf diesem Gebiet in den letzten Jahren besonders weitergebildet und werde nicht müde, meine Klienten für natürliche und gesunde Nahrungsquellen zu sensibilisieren.
Welche digitalen Helfer (Apps, Online-Coaching, Wearables) setzt du im Training ein?
Ich arbeitet mit der medo.check Software und der medo.coach-App, mit deren Hilfe ich für meine Klienten einen individuellen Trainingsplan erstellen kann, den sie dann selbständig abarbeiten, mit mir aber immer im engen Kontakt stehen und ich entsprechende Anpassungen aus der Ferne vornehmen kann.
Im Online Personal Training lade ich zu Zoom-Meetings ein.
Wie gehst du im Training mit Stress, Erschöpfung und Regeneration um?
Dem „mitgebrachten“ Alltag das belastende Gewicht zu nehmen und eine Insel der Entspannung zu schaffen – das ist ganz klar meine Aufgabe. Das kann ganz unterschiedlich gelingen. Der eine Klient muss sich auspowern, um Spannung abzubauen. Ein anderer Klient braucht gezielte Dehnübungen, um Dysbalancen auszugleichen, der nächste braucht fließende Bewegungen, gekoppelt mit der Atmung, um loslassen zu können. Ein weiterer Klient braucht vielleicht einfach nur eine Zuhörerin. Die individuelle Mischung für jeden Klienten zu finden – das ist wichtig. Dazu gehören auch Tips für den Alltag und das Anbieten von Techniken, die der Klient in Eigenregie bei der Arbeit oder auch zu Hause umsetzen kann.
Beschreibe das Spektrum deiner Trainingsformen und -Methoden.
Menschen auf allen Körperebenen in Bewegung zu bringen - physisch, energetisch und mental - ist meine Leidenschaft.
Mein Training bewegt sich immer unter der Überschrift „Gesundheitssport“. Wer zu mir kommt, erhält ein funktionelles, ganzheitliches Ganzkörpertraining – ohne teure Maschinen und Geräte. Ich arbeite vorrangig mit dem Wiederstand des eigenen Körpers. Dabei steht die Qualität der Bewegung im Mittelpunkt und die bewusste Verknüpfung mit der Atmung. Ich arbeite täglich mit dem BODYART-Konzept, weil es in unvergleichlicher Weise Veränderungsprozesse bei meinen Klienten auslöst, die in körperliches und seelisches Gleichgewicht münden. Trainiert werden kann in meinem Bewegungsreich - einzeln oder in Kleingruppen - in der Natur, zu Hause oder auch online.
Wie profitieren Kunden von deinen Zusatzausbildungen?
Sie profitieren, indem sie auf allen Körperebenen in Bewegung gelangen können - physisch, energetisch und mental und damit Zugang zu ihrem gesamten persönlichen Potenzial erhalten.
Kommen Kunden mit speziellen Problemen zu dir – körperlich oder mental? Welche?
Gesundheitliche Probleme, wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettleber, Arthrose, Osteoporose, Rückenschmerzen veranlassen Menschen, Kontakt zu mir aufzunehmen. Und auch Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen, wie z. B. MS oder Parkinson, suchen meine Unterstützung bei der Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Häufig haben die Klienten ihre Leichtigkeit verloren. Damit ist nicht nur das Körpergewicht gemeint, sondern die Leichtigkeit in der Lebensführung. Sie empfinden permanente Überforderung und bemerken Symptome des Burnouts.
Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre?
Zu Beginn meiner Trainerlaufbahn war ich der Meinung, für ein gutes Training braucht man unbedingt Maschinen. Das sehe ich inzwischen ganz anders und habe mich darauf spezialisiert, mit dem eigenen Körpergewicht zu arbeiten und kann behaupten, dass ich heute fitter bin denn je.
Eine wichtige Erkenntnis war auch, dass es keinen Sinn macht, Trainierende mit komplizierten Choreografien herauszufordern. Weniger ist mehr. Die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund.
Welche mentalen Techniken setzt du im Training ein oder empfiehlst du?
Ja. Bilder, die wir gedanklich malen, sind sehr wirkungsvolle Aktivierungsmöglichkeiten für die unbewussten Anteile unseres menschlichen Systems. Und genau dort schlummert unser eigentliches Potential.
Ich arbeite mit Methoden aus der energetischen Psychologie, mit Imaginationstechniken, mit zirkulären Fragetechniken, mit Bodenankern, Ritualen und Symbolen und mit Körperarbeit. All das verknüpfe ich mit der FLOW-Theorie. So habe ich es als FLOW – Life & Business Master selbst praktiziert und in meiner Ausbildung zum Master Coach vertieft.
Welche Eigenschaften sind in diesem Beruf am wichtigsten?
Zuverlässogkeit
Empathie
Vertrauenswürdigkeit
Sportlichkeit
Kreativität
Geduld
Ausdauer
Vielseitigkeit
stetige Weiterbildung
Welche Tipps gibst du Kunden, damit gesunde Ernährung im Alltag dauerhaft funktioniert?
Konsequent den Einfachzucker meiden!
Das ist am Anfang sehr schwer, aber zahlt sich später doppelt und dreifach aus.
Natürliche Nahrungsmittel wählen und selbst zubereiten! Dann strotzt man vor Energie und hat gar kein Verlangen mehr nach industriell gefertigter, stark veränderter Nahrung.
Und: bewegen, bewegen, bewegen! Bewegung baut Stress ab, macht gute Laune und fördert die somatische Intelligenz, d. h. der Körper weiß dann auf ganz natürliche Weise, welche Nahrungsmittel er braucht.
Ulrike, danke dir für das Interview. Wir von PersonalFitness wünschen dir weiterhin ganz viel Erfolg!
11. 5. 2021 *****
Ich habe bei Ulrike Dörge eine Zeitlang trainiert. Doch jetzt, wo ich das wegen eines Oberschenkelhalsbruchs nicht mehr kann und eigentlich in eine REHA müsste, kommt sie zu mir ins Haus und bringt mir das Gehen wieder bei. Aber nicht allein, dass sie mich aus dem Rollstuhl befreit und mit mir am Rollator die aufmerksamen und entkrampften Bewegungen übt, sie trainiert auch mit mir auf dem Trampolin: zur Lockerung, zur Stärkung des Gleichgewichts und zur Lymphdrainage. Sie macht darüber hinaus viele andere Übungen aus ihrem reichhaltigen Repertoire mit mir, die der Stärkung der Muskulatur des gesamten Körpers dienen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine REHA mir mehr gebracht hätte als Ulrike. Sie ist zwar keine Physiotherapeutin, doch sie kennt sich mit dem Körper so gut aus, dass sie auf alles achtet, was mich voranbringt - oder mir schaden könnte. Überdies hat sie einen Humor, der mir hilft. manche Anstrengung zu überwinden und an meine Grenzen zu gehen. Ulrike Dörge macht Mut! Ich bin ihr sehr dankbar dafür.