Zwischen Kamera und Coaching: Schauspielerin und Sportwissenschaftlerin Maja Hieke verbindet ADHS, Sport und Bewegung – und zeigt, wie Personal Training alltagstaugliche Lösungen schafft. Wir baten sie zum Interview.
Maja Hieke verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Bewegung und Schauspiel. Die studierte Sportwissenschaftlerin stand bereits als Kind vor der Kamera, spielte unter anderem in "Schloss Einstein", dem Taunus-Krimi "Böser Wolf" und der Serie "Checkpoint".
Heute nutzt sie ihre Erfahrungen aus Sportwissenschaft, Schauspiel und eigener ADHS-Betroffenheit, um Menschen zu helfen, Bewegung neu zu denken. Im Interview mit PersonalFitness.de spricht sie darüber über die Auswirkungen von ADHS bei Erwachsenen, warum ADHS kein Disziplinproblem ist, Sport und Personal Training bei ADHS, welche Rolle Dopamin und Struktur bei ADHS spielen – und weshalb Sport für neurodivergente Menschen vor allem eines sein muss: individuell und alltagstauglich.
Was Sie gleich erfahren werden:
Es ist ein Spektrum - und unterscheidet sich individuell.
Selbstkritik, fehlende Struktur und Alles-oder-nichts-Denken.
Es beeinflusst die Erwartungshaltung - und genau das ist das Problem. 👉 Tipp vom Coach: Bewegung beeinflusst dieses System.
Verständnis, wo die eigenen Quellen liegen, um sie sinnvoll zu regulieren. 📌Alltagstipp: Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle.
ADHS verwächst nicht. Viele Symptome äußern sich aber bei Erwachsenen anders.💡 Achtung: Auch Burnout und Depressionen können die Folge von ADHS sein.
Das ist individuell unterschiedlich und muss erst herausgefunden werden. 👉 Tipp vom Coach: Am besten natürlich durch einen Personal Trainer oder Trainerin.
Nicht alleine kämpfen - und noch vier Tipps mehr.
In der perfekten Kombination beider Welten.
Heute unterscheidet man zwischen neurotypischen und neurodivergenten Gehirnen. ADHS gehört zu den neurodivergenten Ausprägungen. Wichtig ist dabei: Es ist ein Spektrum. Es gibt Menschen mit offizieller Diagnose und viele, die sich in typischen Merkmalen wiederfinden, ohne jemals diagnostiziert worden zu sein. ADHS ist keine klare Schublade, sondern zeigt sich sehr unterschiedlich – je nach Person, Umfeld und Lebensphase.
Viele Menschen mit ADHS sind sehr selbstkritisch. Sie verstehen oft nicht, warum es ihnen so schwerfällt, Struktur in ihr Training zu bringen. Dazu kommt ein starkes Alles-oder-nichts-Denken: Entweder gar nichts – oder gleich der Marathon. Klassische Trainingsstrukturen sind häufig nicht ADHS-freundlich. Die Anfangsenergie fehlt, weil Belohnungen oft zu weit in der Zukunft liegen. Ein ADHS-Gehirn springt selten auf etwas an, dessen Effekt erst Wochen später spürbar wird.
Dopamin ist viel mehr als ein Glückshormon. Es ist vor allem der Botenstoff der Erwartung. Es wird ausgeschüttet, wenn wir uns auf etwas freuen – nicht erst, wenn es passiert. Bei ADHS ist dieses System häufig dysreguliert. Dopamin wird schneller abgebaut und schwankt stärker. Bewegung kann helfen, dieses System zu beeinflussen, aber nur, wenn sie richtig eingesetzt wird.
Der erste Schritt ist Verständnis: Was ist Dopamin und wie funktioniert es bei mir persönlich? Dopamin-Quellen sind sehr unterschiedlich. Für den einen ist es Krafttraining, für den anderen Radfahren, Tanzen oder Musik. Man muss erst erkennen, wo die eigenen Quellen liegen, um sie sinnvoll zu regulieren. Meine Arbeit als Personal Trainerin für ADHS Menschen basiert dabei auf mehreren Ebenen: Alltag, Bewegung, Ernährung und emotionale Themen wie Glaubenssätze.
Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. ADHS verwächst nicht. Der Unterschied im Erwachsenenalter liegt vor allem darin, wie Menschen gelernt haben, damit umzugehen. Viele Symptome zeigen sich später indirekt: Überforderung, Burnout, Depressionen oder Suchterkrankungen können die Folge eines unerkannten ADHS sein. Gleichzeitig gibt es viele Menschen mit ADHS, die sehr erfolgreich sind, weil sie gelernt haben, ihre Besonderheiten gezielt zu nutzen.
Das ist sehr individuell und hängt auch von der Intensität ab. Wer immer nur joggen geht, wenn er ohnehin überreizt ist, merkt oft, dass das allein nicht reicht. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, Ausdauertraining mit ruhigeren Formen wie Yoga zu kombinieren. Entscheidend ist, zu schauen, was jemand bereits macht, und das Training sinnvoll zu ergänzen.
Erstens: Sich mit dem eigenen Gehirn beschäftigen und Hilfe annehmen, etwa durch Coaching. Zweitens: Überlegen, wie man regulieren möchte – durch Bewegung, Ernährung oder andere Wege. Medikamente können helfen, genauso wie regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung. Drittens: Nicht allein kämpfen, denn Struktur ist für viele mit ADHS schwer umzusetzen. Viertens: Ganzheitlich denken, denn Alltag, Training und emotionale Themen gehören zusammen. Und fünftens: Mit sich selbst gnädig sein und den inneren Druck reduzieren.
Ich bin weiterhin als Schauspielerin aktiv. Gleichzeitig möchte ich mir mit der Sportwissenschaft eine langfristige Zukunft aufbauen, vor allem als Content Creatorin. Über Videos möchte ich eine Community schaffen, die mehr Verständnis für ADHS entwickelt. Content Creation verbindet für mich beides: meine Liebe zur Schauspielerei und meine Arbeit im Sport.
Mini-Plan: Probieren Sie diese Box 2–3 Mal pro Woche aus. Starten Sie morgen mit dem 5-Minuten-Ritual und hängen Sie die 2-Song-Playlist an. Nach einer Woche wählen Sie Ihren Lieblingsmix und erhöhen nur in 1-Minuten-Schritten.
Maja kennt die Herausforderung, fokussiert zu sein – zwischen Reizüberflutung, Energielöchern und dem Wunsch nach echter Kraft. Als Sportwissenschaftlerin, Personal Trainerin, Ernährungsberaterin und Mensch mit ADHS lebt sie, was sie weitergibt: Bewegung, Struktur und Ernährung als Werkzeuge zur Selbstregulation – körperlich wie mental. Ihr Coaching ist einfühlsam, individuell und strukturiert – für alle, die fitter werden wollen, die Stabilität, und Stärke suchen.... mehr über den Trainer