Interview mit Silke Kaydelen, die vor allem als Coach in der TV-Sendung The Biggest Loser bekannt ist. Sie ist eine der prominentesten Personal Trainer Deutschlands, doch so fit wie heute war auch sie nicht immer.
Personalfitness: Silke, früher warst Du Leistungssportlerin, heute arbeitest Du unter anderem als Personal Trainerin, TV-Fitness-Coach und Ernährungsberaterin. Klingt, als habe der Sport von jeher Dein Leben bestimmt. Ist das richtig?
Silke Kayadelen: Ja und nein. Als Kind habe ich mich zwar sehr gerne und viel bewegt, war im Schwimm – und Turnverein, bis ich dann zum Taekwondo kam, wo ich mit 19 Jahren Deutsche Meisterin wurde. Als ich dann allerdings mit 24 schwanger wurde, war mit dem Leistungssport erst einmal Schluss. Eigentlich bewegte ich mich nach dem Schwangerschaft kaum noch, saß nur noch zu Hause und aß und nahm immer weiter zu. Das war meine erste "fette Phase" ohne Sport.
Personalfitness: Wenn man Dich heute so sieht, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass Du einmal eine "fette Phase" gehabt haben sollst.
Silke Kayadelen: Dabei hatte ich mehr als nur eine. Ich habe in meinem Leben oft ab und dann wieder zu genommen. Selbst während meines Sportstudiums, das ich nach der Geburt meiner Tochter begonnen habe um wieder in Form zu kommen.
Personalfitness: Wie geht das?
Silke Kayadelen: Ganz einfach: Während des Semesters habe ich regelmäßig trainiert, war fit und schlank – und in den Semesterferien habe ich mein Programm wieder schleifen lassen, habe viel gegessen und hatte sofort wieder mehr auf den Rippen.
Personalfitness: Klingt nach einem klassischen Jojo-Effekt…
Silke Kayadelen: Es war ein richtiger Teufelskreis. Immer, wenn ich mal wieder dicker war, verlor ich auch die Lust an der Bewegung. Wenn ich mich schlecht fühle, mag ich einfach keinen Sport machen. Stattdessen habe ich lieber noch mehr gegessen, wurde noch dicker und fühlte mich irgendwann unattraktiv und ausgestoßen.
Personalfitness: Ein Problem, unter dem viele übergewichtige Menschen leiden.
Silke Kayadelen: Und nicht nur die! Der Wahn, noch schöner, noch fitter und noch schlanker sein zu müssen quält inzwischen auch ausgesprochen attraktive, fitte Leute. Aber klar – wer objektiv zu dick ist, hat diese Sorgen erst recht.
Personalfitness: Wie schafft man es trotzdem, den ersten Schritt in ein sportlicheres Leben zu gehen?
Silke Kayadelen: Man muss sich ein Stück weit selbst überlisten. So wie ich es mit der Wahl meines Studiums getan habe. Wer– ob er will oder nicht – Sport treiben muss, der wird nicht dauerhaft dick bleiben. Und man muss damit aufhören, sich ständig unter Druck zu setzen. Wenn man dauernd nur daran denkt, was man nicht essen darf (und sich auch daran hält) wird man kurzfristig vielleicht Gewicht verlieren – aber auch unglücklich. Um dauerhaft Erfolge zu haben, muss man mit sich im Reinen sein. Es hilft nicht, sich zu kasteien. Man muss sich bewegen und sich gut ernähren, weil man es gerne tut. Nicht, weil man nur einem Schönheitsideal hinterherläuft. Diesen Punkt habe ich inzwischen erreicht. Und ich versuche, andere dahin zu bringen.
Weiter zum zweiten Interview mit Silke Kayadelen, diesmal mit dem Titel "Dicke sind keine Menschen zweiter Klasse".
Fotos: appelhagen-management
Linkempfehlung: Teil 2: „Dicke sind keine Menschen zweiter Klasse“
Andrea Ege ist Teil der Redaktion von PersonalFitness.de. Sie bereitet Fachthemen rund um Training, Gesundheit und Bewegung fundiert und verständlich auf – mit einem Blick für Praxisnähe und Relevanz. Ihr Fokus liegt darauf, Wissen so zu vermitteln, dass sowohl Personal Trainer als auch gesundheitsbewusste Menschen konkrete Impulse für ihren Alltag erhalten.