Die erste Hürde auf der Suche nach dem idealen Laufschuh sind die eigenen Füße. Und das nicht nur, wenn die Diagnose irgendwo zwischen Senk- und Knickfuß liegt. Aber keine Sorge, die richtige Wahl muss keine Wissenschaft werden: Welcher Laufschuh zu welchem Fuß und Laufstil passt.
Meine Güte, worauf man alles achten soll. Dabei will man doch eigentlich nur eins: laufen. Doch davor steht für den Läufer nun mal die Wahl des idealen Schuhs. Aber da fängt’s schon an. Was für Füße hat man eigentlich? Wie sieht’s mit Fehlstellungen aus? Und überhaupt: Laufstil, Gewicht und Einsatzbereich wollen natürlich auch berücksichtigt werden. Kein Wunder, dass es so viele Konzepte für den richtigen Laufschuh gibt. Aber langsam! Schritt für Schritt kommen wir den Traum-Tretern schon auf die Schliche.
Die Pronation beim Laufen
Fangen wir mal mit dem richtigen Dreh an. Des Fußes versteht sich. Der Fachbegriff dafür heißt Pronation. Will heißen: Eine Drehung des Fußes um seine Längsachse, bei der äußere Fußrand gehoben und der innere Fußrand gesenkt wird, ohne dass sich die Ferse mit bewegt. Die Pronation wird auch als Einwärtsdrehung oder Einwärtskantung bezeichnet. Diese Bewegung macht der Fuß eines sogenannten „Neutralfußläufers“. Schönes Wort, nicht wahr? „Neutral“, das hätte jeder gern. Doch Fußfehlstellungen machen die Sache gern und oft kompliziert.
Der falsche Dreh
Bei Knick-Senkfüße und Plattfüßen sowie bei X-Beinen ist die Einwärtsdrehung verstärkt. Man spricht von einer Überpronation.
Neben der Fehlstellung des Fußes gibt es noch weitere Faktoren, die eine Überpronation beim Laufen begünstigen. Dazu zählen:
Noch ein falscher Dreh
Auch bei Fehlern gibt’s einen gerechten Ausgleich. Das Ganze gibt es nämlich auch noch in die andere Richtung. Kommt es statt einer Einwärtsdrehung zu einer Auswärtsdrehung bei gleichzeitiger Hebung des Fußinnenrandes, spricht man von einer Supination. Und wer hätte das gedacht, auch hier gibt es die gesteigerte Variante: die Übersupination. Sie steht oft in Zusammenhang mit Hohlfüßen oder O-Beinen.
Die Füße sind die Basis
So viel also quasi zur Hardware – den Füßen. Bleibt die Frage nach der passenden Software, den Laufschuhen. Fast alle Laufschuhhersteller bieten Laufschuhe für Neutralfußläufer, Überpronierer und Supinierer an. Klar, denn der richtige Laufschuh muss je nach Fußtyp und Fußfehlstellung unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.
Der Schuh sollte natürlich auch zum Laufstil und den anatomischen Voraussetzungen des Läufers passen. Nur ein gutes Laufschuhgeschäft kann diese Abstimmung leisten. Dazu werden Laufbandanalysen oder noch genauere Bewegungsanalyse-Systeme als Hilfsmittel eingesetzt.
Falsche Schuhe, hohe Risiken
Das Laufen mit den falschen Laufschuhen und der falschen Lauftechnik kann fatale Folgen haben. Wird z.B. einem Läufer mit O-Beinen ein Laufschuh mit Pronationsstütze empfohlen, wird durch die Anhebung des Fußinnenrandes die Supinationsstellung der Füße verstärkt. Hier sind Beschwerden im Knie und im gesamten Bewegungsapparat vorprogrammiert. Kein gute Idee also.
Functional Training
Empfehlenswert für ein ermüdungs- und verletzungsfreies Laufen ist ein laufspezifisches Functional Training. Dabei wird die Rumpfmuskulatur gekräftigt, die Koordination verbessert und muskuläre Dysbalancen werden abgebaut.
Laufstil
Es ist doch alles eine Frage des Stils – auch das Laufen. Doch was der richtige Laufstil ist, darüber gibt genauso viele wissenschaftliche Untersuchungen. Je nach Sichtweise, empfehlen sie wahlweise das Laufen auf dem Vorfuß, Mittelfuß oder Rückfuß. Man sollte mit 0815-Empfehlungen aber vorsichtig sein und die individuellen Anforderungen berücksichtigen.
Etwa für sehr schwere Läufer oder Läufer mit Achillessehnenproblemen ist das Laufen auf dem Vorfuß nicht ganz unproblematisch. Für sehr schwere Läufer wäre dagegen ein Laufen auf dem Rückfuß in Ordnung und bei besserem Trainingszustand auch das Mittelfußlaufen. Das Vorfußlaufen wird wiederum eher beim wettkampforientierten Läufer als beim Hobbyläufer sehen.
Ein Blick auf die Vor- und Nachteile beispielsweise des Mittelfußlaufens zeigt, wie differenziert ein Laufstil bewertet werden sollte.
Pro Mittelfußlaufen:
Kontra:
Natural-Running-Schuhe
Seit mehreren Jahren bieten die Laufschuhhersteller neben den „normalen“ gestützten Laufschuhen auch die „Natural Running“ Laufschuhe an. Diese Laufschuhe sind leicht, haben wenig „Sprengung“ und beeinflussen den Laufstil weniger. Durch weniger Stütz-, Dämpfungs- und Führungseigenschaften des Schuhs kann der Fuß vermehrt diese Aufgabe übernehmen (Annäherung an das Barfußlaufen). Wobei es auch hier verschiedene Abstufungen von weniger bis mehr Dämpfung gibt. Diese Laufschuhe passen zu gut trainierten Läuferbeinen, sie eignen sich eher für „neutrale Füße“ und nur bedingt für Überpronierer.
Den richtigen Laufschuh finden
Jetzt sind praktische Tipps gefragt. Wie findet man denn den idealen Laufschuh? Wenn Sie auf diese vier Punkte achten, dann ist der richtige Schuh nicht mehr weit:
Fazit
Es sollten keine Generalempfehlungen für einen Laufschuh oder einen Laufstil gegeben werden. Vielmehr sollten die individuelle Gegebenheiten und das Körperempfinden des Läufers bei einer Laufberatung (Laufschuh, Laufstil) berücksichtigt werden. Die Laufschuhe sollten sofort passen und nicht erst eingelaufen werden müssen. Dann sind Sie schon auf der Zielgeraden bei ihrer Suche nach dem perfekten Laufschuh. Viel Erfolg!
Linkempfehlung: Weitere Informationen zu Lauftraining auf www.move-personal-training.de
Pamela Chance begleitet Fach- und Führungskräfte, Unternehmer und Sportler mit einem individuellen, ziel- und lösungsorientierten Coaching. Sie kombiniert Training, Ernährung, mentale Stärke und Regeneration zu einem Konzept, das sich nahtlos in den Alltag einfügt. Ihr Antrieb: Menschen aus der Dauerspirale zu führen, neue Energie zu geben und ihnen zu zeigen, wie es sich anfühlt, wieder stolz in den Spiegel zu schauen.... mehr über den Trainer