Der Grundgedanke der Stoffwechseldiät klingt extrem verlockend. Schließlich versprechen diverse Anbieter einen massiven gesunden Gewichtsverlust bis zu zehn Kilo in nur 14 Tagen. Und das ganz ohne den gefürchteten JoJo-Effekt. Soweit zur Theorie.
Was steckt hinter der Stoffwechseldiät?
Diät heißt ja immer, kurzfristig die Energiezufuhr herunterzufahren. Das macht zunächst ja auch Sinn: Schließlich zeigt die Waage immer eine Gewichtsabnahme, wenn ich weniger Energie, sprich Kalorien zu mir nehme. Soweit so gut. Aber was genau nehme ich denn überhaupt ab, wenn ich die Kalorienzufuhr reduziere. Und was genau passiert in meinem Körper?
Grundmodus: Es könnte eng werden
Grundsätzlich geht unser Stoffwechsel davon aus, dass gerade eine akute Nahrungsmittelknappheit wie beispielsweise eine Dürre vorliegt und der Mensch für einen unbestimmten Zeitraum mit weniger Nahrung auskommen muss als bisher. Als Reaktion auf diese Nahrungsmittelknappheit muss der Stoffwechsel lernen, mit weniger Energie auszukommen.
Grundumsatz: Die Maschine muss laufen
Das heißt, unser Grundumsatz wird reduziert. Grundumsatz bedeutet: die Energie, die wir benötigen, um unsere wichitgsten Organe wie Gehirn, Herz, Leber, Nieren und unsere Muskulatur am Laufen zu halten. Dieser Vorgang funktioniert zu allererst indem der Körper den Zellen Wasser entzieht. So arbeiten sie langsamer und verbrauchen weniger Energie. Dieses Wasser wird ausgeschieden und wir haben die erste Reduktion des Körpergewichtes erreicht.
Oh je: Die Muskeln schinden dahin
Das Ganze hat einen Nachteil: Es geschieht auf Kosten eines etwas langsamer arbeitenden Stoffwechsels. Dauert die Diät bzw. die Nahrungsmittelknappheit weiter an und ernähren wir uns weiterhin kalorienreduziert, sieht der Körper sich gezwungen, mehr Energie einzusparen. Er baut das Material ab, dass Energie verbraucht und für das tägliche Überleben nicht unmittelbar notwendig ist: Muskulatur.
Studien haben ergeben, dass der Körper ausnahmslos immer Muskulatur abbaut, sobald die tägliche Kalorienzufuhr unter 800kcal liegt, weil er gar keine Chance hat, den täglichen Energiebedarf für das Gehirn und die Nervenzellen anderweitig abzudecken. Durch diesen Abbau der Muskulatur erreichen wir also einen weiteren Gewichtsverlust, aber auch eine weitere Reduktion des Grundumsatzes.
Eiserne Reserve: das Bauchfett
Was gleichzeitig immer bei einer Reduktion der Kalorien passiert: Die Fettreserven, insbesondere das Bauchfett, werden zunehmend geschont. Der Grund: Es ist die eiserne Reserve, die der Körper unbedingt behalten will. Je öfter oder je länger wir eine Diät mit Kalorienreduktion durchführen, desto mehr bringen wir unserem Körper bei, dass er bitte auf gar keinen Fall die Fettreserven frei gibt, um daraus Energie zu beziehen.
Langfristiges unerwünschtes Learning
Somit führen Diäten dieser Art langfristig dazu, dass wir unserem Körper beibringen, Fett immer besser einzuspeichern. Mit jeder weiteren Diät wird immer wieder Wasser und Muskelmasse abgebaut. Wir erhöhen langfristig den prozentualen Körperfettanteil immer weiter.
Vorprogrammiert: Jo-Jo-Effekt
Wenn wir uns nach der Diät wieder kalorienreicher – etwa wie vor Beginn der Diät – ernähren, kommt der berühmte Jo-Jo-Effekt ins Spiel: Wir nehmen deutlich mehr Kalorien zu uns und der Körper lagert sofort alles, was er kriegen kann in den Reserven ein. Es könnte ja die nächste "Nahrungsmittelnappheit" (Diät) kommen...
Weshalb machen Diäten dick?
Spannend, welche Regeln unseren Körper leiten: Verschleiß von Körpermaterial reagiert unser Körper immer mit einem Mehraufbau, sobald er wieder die Chance dazu hat. Diesen Effekt nutzt man im Muskeltraining: Wenn wir im Training die Muskulatur verschleißen, bringen wir den Körper dazu, in den Erholungsphasen mehr Muskulatur aufzubauen. Zwingen wir den Körper mit Diäten dazu, mit weniger Energie auszukommen, wird er nach der Diät mehr Energie einspeichern, um zu verhindern, dass dieser Mangel erneut auftritt. Somit machen Diäten langfristig dick und nicht schlank.
Positive Effekte der Stoffwechseldiät
Ist denn gar nichts gut an dere Stoffwechseldiät? Ganz so schlimm ist es nun wieder auch nicht. Positiv hervorzuheben ist, dass es bei Stoffwechseldiäten meist darum geht, Kohlenhydrate mit einer hohen glykämischen Last zu reduzieren. Das heißt, es werden Lebensmittel vermieden, die einen starken Blutzucker- und damit Insulinanstieg bewirken. Diese Idee ist grundsätzlich richtig, weil sich viele Menschen im Übermaß von zucker-, insbesondere von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln ernähren.



