Was macht den weltweit populärsten Yoga-Stil aus? Ein kurzes Sivananda-Einmaleins: Prinzipien, Stellungen, Centers und Zitate vom Meister.
Was Sie gleich erfahren werden:
Wenn Sie schon einmal einen Yoga-Kurs besucht haben, stehen die Chancen gut, dass es Shivananda Yoga war. Es ist der weltweit am stärksten verbreitete Yoga-Stil. Millionen Menschen praktizieren ihn, oft ohne zu wissen, dass es Shivananda Yoga ist. Oder besser: ein Teil davon. Denn tatsächlich steckt dahinter sehr viel mehr als nur die Yoga-Stellungen, die Asanas.
Sivananda Yoga ist eine Philosophie und ein Lebensstil mit Elementen, die von den körperlichen Übungen bis zum Training des Geistes und der Ernährung reichen. Im Sivananda-Yoga gibt es eine klar definierte Abfolge von Stellungen auf der Basis des klassischen Hatha Yoga. Natürlich werden in der heutigen Yoga-Praxis viele Varianten hiervon entwickelt und gelehrt.
Die Stellungen des Sivananda Yoga können in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gelehrt und für spezifische Zielgruppen und Zwecke angepasst werden, z.B. bei Rücken-, Schulter- und Nackenproblemen oder während der Schwangerschaft. Eine der neueren Entwicklungen ist die Yoga-Therapie, denn der gesundheitliche Nutzen von Yoga und damit auch der Sivananda-Variante ist heute in vielen Aspekten auch wissenschaftlich sehr gut belegt. Yoga gilt heute wissenschaftlich belegt als eine gute Form des Stressmanagements und der Stärkung der individuellen Resilienz, also unserer seelischen Widerstandskraft.
Wie der Name schon sagt: Sivananda Yoga wurde von dem Inder Swami Sivananda (1887-1963) entwickelt. Heute gilt er als einer der großen Yoga-Meister und in der Yoga-Welt sogar als Heiliger. Im indischen Rishikesh gründete er einen Ashram, in dem klassisches Yoga, also Hatha Yoga, und Vedanta gelehrt wurden. Als Vedanta werden die indische spirituelle Philosophie und ihre Umsetzung in die Praxis des täglichen Lebens bezeichnet.
Swami Sivananda gründete eine Yoga Akademie und die Divine Life Society, deren Aufgabe die Verbreitung dieses Lebensstils war. Seine Grundsätze heißen: serve, love, give, purify, meditate, realize. Frei übersetzt: diene, gib, reinige dich, meditiere, realisiere.
Ein Schüler des Meisters war Swami Visnu-devananda. Er sollte das von Swami Sivananda entwickelt Yoga in die ganze Welt tragen. "Geh, die Menschen warten. Viele Seelen werden jetzt reinkarniert im Westen. Geh und lass ihr Bewusstsein wieder erwecken und führe Sie zurück auf den Yoga-Pfad", soll sein Meister gesagt haben.
Der Ausgangspunkt der Verbreitung dieser Lehre wurde 1957 das kalifornische San Francisco. Vishnu-devananda reiste von dort mehrere Jahre lang durch die USA und gründete ein Netzwerk von Yoga-Zentren, das heute tatsächlich die ganze Welt umspannt: die International Sivananda Yoga Vedanta Centers. An ihnen werden Yoga-Lehrer ausgebildet und zertifiziert, Workshops und Retreats angeboten.
Während seiner Reisen lernte Swami Vishnu den westlichen Lebensstil kennen. Schon damals war dieser nicht gerade das, was aus yogischer Sicht wünschenswert war. "Heute erleben mehr Menschen im Westen als jemals zuvor in der Geschichte Stress und Spannungen jenseits ihrer Kontrolle", beobachtete Swami Vishnu in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. "Tausende und Abertausende greifen zu Beruhigungsmitteln, Schlaftabletten, Alkohol und mehr in dem aussichtslosen Versuch, mit den Belastungen klarzukommen." Also entwickelte der Gesandte von Swami Sivananda eine Form des Yoga, die ein gesünderes, erfüllteres und spirituelleres Leben für Menschen in der westlichen Welt ermöglichen sollte.
Das Sivananda Yoga basiert auf fünf Säulen oder Punkten. Sie sind eine Synthese jahrtausende alter Prinzipien und Techniken in eine Form, die in das tägliche Leben im Westen passt. Diese Kernelemente des Sivananda Yoga sind:
Yoga umfasste schon immer das gesamte Leben – auch unser Denken und Handeln: "Hatha Yoga besteht nicht nur aus Asanas; dazu gehört auch das Führen der eigenen Gedanken", so Swami Vishnu. Hatha Yoga ist der jahrtausendealte Kern des Sivananda Yoga.
Im Sivananda-Yoga gibt es eine bestimmte Reihenfolge von Grundstellungen. Sie basiert auf einer uralten Abfolge und wurde von Swami Sivananda in der indischen Stadt Rishikesh gelehrt. Einer seiner Schüler, André van Lysebeth, benannte diese Abfolge nach der Stadt, indem Swami Sivananda lebte und arbeitete: die Rishikesh-Reihe. Sie gibt es heute in vielen Variationen. Der Kopfstand wird zum Beispiel nicht in jedem Kurs geübt, weil er einen hohen Schwierigkeitsgrad hat und ein gewisses Verletzungsrisiko besteht.
Kern der Rishikesh-Reihe sind zwölf Stellungen:
Im Sivananda Yoga wird auch der Sonnengruß gelehrt. Er besteht aus 12 Stellungen und kann beliebig häufig nacheinander durchgeführt werden. Auch das Tempo der ineinander fließenden Stellungen lässt sich variieren, so dass sie durchaus schweißtreibend sein können. Das Sonnengebt, wie die Abfolge auch heißt, wird gern zum Aufwärmen eingesetzt und trainiert die großen Muskelgruppen. Auch der Sonnengruß lässt sich variieren. Er kann sehr dynamisch, schnell geübt und mit zahlreichen weiteren Stellungen kombiniert werden. Hierzu können zum Beispiel Sprünge und besondere Flows gehören.
Neben den zwölf Grundstellungen werden auch im Sivananda Yoga eine Vielzahl weiterer Asanas und Varianten praktiziert. Um nur einige zu nennen: Krähe, Pfau, schiefe Ebene, gedrehtes Dreieck, Krieger I, II und III, Skorpion, Rad, Bogen, Adler, Kuhmaul, horizontaler und vertikaler Tänzer, Berghaltung, Stellung des Kindes, Baum.
Die klassische Struktur einen Sivananda-Yogastunde folgt diesem Muster:
Wir brauchen einen gesunden Körper, damit der Geist sich der Meditation widmen kann. Zu dieser gesunden und ethisch vertretbaren Ernährung gehören vollwertige, nährstoffreiche, vegetarische Lebensmittel. Sie werden in drei Gruppen unterteilt, die in einem harmonischen Gleichgewicht sein sollten. Diese Gruppen nennt man im Yoga Gunas. Die drei Gunas:
Meditation ist ein wichtiger Teil von Sivananda Yoga . Das heißt aber nicht, dass es in jeder Stunde oder jedem Kurs gelehrt wird. Einen meditativen Charakter haben aber auch die Atemübungen. Meditation bedeutet letztlich nichts anderes als eine hohe Konzentration auf einen Punkt. Das kann die Atmung sein, eine Visualisierung, ein Entschluss, Wort... Manche Sivananda Centren empfehlen eine 12-Schritte-Technik.
In den meisten Gyms oder Studios wird Sivananda Yoga gelehrt. Ansonsten gibt es auch die Sivananda Yoga Vedanta Zentren. Idealerweise lernen Sie zumindest anfangs mit einem Personal Trainer, damit Sie die Asanas gleich korrekt ausführen. In Kursen mit 20 oder 30 Teilnehmern sind Korrekturen nur sehr punktuell möglich.
Quelle: "The Sivananda Companion to Yoga", The Sivananda Yoga Center
Dr. Kai Kaufmann ist Trainer für gesundes Stressmanagement, seelische Widerstandskraft (Resilienz), Yoga und Meditation für Mitarbeiter von Unternehmen und Einzelkunden. Über 15 Jahre war er in leitenden Positionen für Großverlage tätig. Während dieser Zeit war er selbst von einem monatelangen Burnout betroffen. Kai weiß daher, unter welchen Belastungen Mitarbeiter u. Führungskräfte heute oft stehen. Mit viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Humor stärkt der XING TOP MIND MENTAL HEALTH 2022 seine Kunden auf ihrem persönlichen Weg.